Bernhard Sengstschmid

Jetzt handeln um Wiens Kulturszene zu retten!

Bernhard Sengstschmid

Jetzt handeln um Wiens Kulturszene zu retten!

Viel hat sich seit dem ersten Anlauf zur Vorwahl getan - eine Pandemie hat den Globus mehr oder weniger überraschend heimgesucht und massivste Verwerfungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich verursacht - die Folgen werden wohl noch in Jahrzehnten zu spüren sein. Das schlägt sich natürlich auch auf die Prioritätensetzung für den Wahlkampf im Herbst nieder. Mein Fokus bezügl. Bau- und Wohnungspolitik bleibt natürlich erhalten (siehe unten). Aber als jemand, der selbst in der Kultur- und Musikbranche tätig ist und wirtschaftlich schwer von den Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie getroffen wurde, sehe ich, wie es vielen in diesen Branchen (inkl. Gastro- und Eventbranche) genauso oder noch schlechter geht. Treffsichere und unbürokratische Hilfsmaßnahmen fehlen oder greifen zu kurz. Hier ist Feuer am Dach, da unzählige UnternehmerInnen, die Wien als lebenswertes und wirtschaftliches Zentrum erhalten und beleben, ums nackte Überleben kämpfen. Weg mit der Wahlzuckerl-Politik, die organisatorisch albtraumhaft organisiert ist und Unsummen kostet! Hin zu direkten Unterstützungen von Betrieben in Not. Wie vielen hätte mit dem 40 Millionen Euro Budget für die Gastrogutscheine, geholfen werden können? Auch fehlt von städtischer Seite ein langfristiger Plan, wie Veranstaltungen in Zukunft organisiert werden können, da das Damoklesschwert weiterer Covid-19 Ausbrüche natürlich weiter über uns schwebt. Ich fordere die unmittelbare Einsetzung einer Taskforce um eine digitale Lösung für die betroffenen Branchen zu implementieren, also für all jene die davon leben, dass sich Menschen treffen und wo soziale Interaktion stattfindet: Es gibt weltweit mehrere vielversprechende Lösungsansätze für Tracing-Apps, die bei Veranstaltungen das Risiko minimieren, dass infizierte Personen daran teilnehmen. Diese Entwicklungen gilt es genauestens zu beobachten und schnellstmöglich Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln. Wir müssen in den nächsten Monaten ernsthafte Anstrengungen unternehmen um hier einsatzfähige digitale Lösungen zu finden, hier muss Wien investieren - die Hauptstadt der Kultur steht sonst buchstäblich am Abgrund.

Darüber hinaus ist es mir weiter ein besonderes Anliegen, den stark bedrohten Charakter bzw. Status von Wien als eine der lebenswertesten Städte der Welt zu bewahren. Und nicht nur für Expatriates und Touristen (die hoffentlich bald wieder kommen) als wirtschaftlich relevante Faktoren, sondern vor allem für die Bewohner, die die maßlose Zerstörung von Gründerzeithäusern miterleben müssen, an deren Stelle dann in der Regel hochpreisige Eigentumsimmobilien entstehen (Stichwort: charakterzerstörende Sondermüllarchitektur) und kein leistbarer Wohnraum für jenen Teil der Bevölkerung, der nicht zu den absoluten Top-Verdienern oder institutionellen Investoren zählt. Teils erschwinglicher Wohnraum wird von der Stadt Wien vor allem an den Randlagen Wiens errichtet, meist weit weg von (Verkehrs)Infrastruktur und auf unverbauter (Grün)Fläche. Dies konterkariert in extremer Weise die Bemühungen in Richtung effektiver Klimaschutzmaßnahmen, die von der Stadtregierung in erster Linie durch behübschende Aktionen in gentrifizierten Vierteln Umsetzung finden. Und JA: es ist schön und gut, mit Zierbäumen etwas Farbe und Atmosphäre in zubetonierte Gegenden zu bringen, wenn aber gleichzeitig Dienst nach Vorschrift gemacht wird und massive Rodungen wie z.B. im Laaer Wald oder auf den Steinhof-Gründen durchgeführt werden, ist die Scheinheiligkeit dieses Ansinnens mehr als durchschaubar.

Ich will weg von einer Politik die bloß grünen Anstrich und Wohlfühl-Bonbons für die Besserverdienenden anbietet und in Wahrheit wenig problemlösend oder sozial wirksam ist. Ich will mich dafür einsetzen, dass der Charakter der Stadt bewahrt wird und die Bauordnung Gesetzeslücken schließt, die es ermöglichen auch derzeit noch alte Gebäude "beyond repair" verfallen lassen um so deren Abbruch zu erreichen. Ich will mich für einen Dialog zwischen Behörden, Anwohnern, Immobilienbesitzern, Bauwerbern und Initiativen einsetzen, die sich um den Erhalt architektonisch wertvoller Bauten bemühen. Ich will Revitalisierungprämien verwenden, um gefährdete Objekte zu schützen und Maßnahmen zu fördern, die darin münden, dass dort leistbare Mietwohnungen entstehen. Es gibt viel zu viel ungenutzten potentiellen Wohnraum (u.a. leerstehende Erdgeschoßräume), der durch solche Aktionen aktiviert werden könnte ohne in die Besitzrechte einzugreifen. Zudem muss der Bodenversiegelung massiv entgegengetreten werden, wenn man Klimaschutz ernst nehmen will. Ich fordere den Aus- und Überbau schon bestehender bebauter Flächen wie z.B. eingeschoßiger Supermärkte oder nicht genutzter Industriegebiete, wobei auch hier die architektonische Relevanz geprüft werden muss. Die NEOS Forderung nach einer noch besseren Umsetzung der letzten Baurechtsnovelle würde auch bei Neu- bzw. Umbauten günstigere Errichtungs- bzw. Sanierungskosten bedeuten wie z.B. eine totale Streichung der Stellplatzpflicht (auch für Wohnungen ab 100qm), eine Verkleinerung der Mindestgröße für neue Wohnungen und ein Aufheben der zwingenden räumlichen Trennung von Toilette und Bad.

Wien verschandeln, Klimaschutz nicht ernstnehmen und Wohnen noch teurer machen? Nicht mir mir :-)


Lebenslauf

Jahrgang 1977
Geburtsort: Neunkirchen
Wohnbezirk: Währing
Verheiratet, 2 Kinder

Ausbildung:
Matura: BG Babenbergerring, Wr. Neustadt
Bachelor of Arts (BA), Politikwissenschaft, Universität Wien

Beruflicher Werdegang:
Selbständig als Musikmagazin Verleger, hauptberuflich seit 2002

Sonstiges:
NEOS Mitglied seit 2013
UNOS Mitglied seit 2015
diverse Kandidaturen: EU-Wahl 2014, Wiener Gemeinderatswahl 2015, WKO-Wahl 2015
auch sonst ab und zu unterwegs ;-)


Beantwortete Fragen

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und wird auch im Wahlkampf und in der nächsten Wahlperiode des Gemeinderates eine wesentliche Rolle spielen. Der Klimawandel ist als Querschnittsmaterie in allen Politikbereichen mitzudenken. Wie wirst du in deinen wesentlichen Politikbereichen den Klimawandel berücksichtigen, insbesondere, was die Klimawandelanpassung betrifft? Liebe Grüße Sebastian — Sebastian Beiglböck