Robert Yen

Robert Yen

Ich will die Menschen wieder für Demokratie begeistern. Ich wünsche mir, dass die Menschen erleben, dass sie am politischen Entscheidungsfindungsprozess beteiligt sind und dass sie mitverantwortlich für die Geschicke unseres Landes sind. Dafür brauchen wir Visionen und konkrete Umsetzungspläne. Ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam diese Vision für Vorarlberg entwickeln können und mit den BügerInnen Maßnahmen erarbeiten werden, um unsere Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Die ÖVP stellt seit 1945 den Landeshauptmann in Vorarlberg und hatte bis auf den Zeitraum zwischen 1999 und 2004 die absolute Mehrheit im Landtag. Derzeit bildet ÖVP mit den Grünen eine Koalition. Diese lange Zeit der absoluten Vormacht in Vorarlberg führt dazu, dass der Gestaltungswille der Landesregierung nicht mehr wahrnehmbar ist und das Land nur noch verwaltet und die eigene Machtposition abgesichert wird. Es fehlt an einer langfristigen Vision. Der Bodenseeraum ist eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Europas und weder im Verkehr, noch in der Gestaltung der wirtschaftlichen Zukunft, noch in der Bildung werden von der Landesregierung klare Akzente gesetzt. Auch wird Politik abseits der Bevölkerung gemacht. Das alles soll sich ändern. Sicherlich ist vieles von dem, was mich stört auf Bundesebene entschieden worden, doch wer hält uns davon ab, auf Landesebene zu gestalten und die Auswirkungen von Fehlentscheidungen zu lindern. Denken wir an die Bildungspolitik, so können wir mit den Schulen darüber nachdenken, wie wir beispielsweise durch zusätzliche Sozialpädagogen im Klassenzimmer den Unterricht unterstützen, selbst wenn es sich um eine Bundesschule handelt. Wir können gemeinsam mit den Gemeinden, den Arbeitgebern und den Bürgerinnen und Bürgern darüber nachdenken, wie wir Rahmenbedingungen schaffen, dass wir kürzere Wege haben oder Daten zu uns kommen, damit wir nicht jeden Tag ins Büro fahren müssen. Wir können mit den Bürgerinnen und Bürgern Plattformen schaffen, auf denen sich Menschen, die erst seit kurzem im Land leben und Menschen, die schon immer Vorarlberger waren, kennen lernen und mit uns an Konzepten arbeiten, wie wir möglichst schnell eine starke Gemeinschaft werden. Es ist mir jedoch auch ein Anliegen, Menschen, die sich ausgeschlossen und einsam fühlen, ich denke da vor allem auch an ältere Menschen, wieder in das lebendige kulturelle Leben der Gesellschaft hinein zu holen. Mir ist niemand egal, auch wenn ich akzeptiere, wenn jemand entscheidet, lieber für sich zu leben und die Konsequenzen dieser Entscheidung akzeptiert. Viele, viele Themen könnten hier aufgezählt werden und in Konzepten sollten wir auf all diese Fragen Antworten oder Wege, wie wir zu diesen Fragen Antworten erarbeiten möchten, finden. Ich möchte aktiv daran arbeiten.

Joachim Gauck, der ehemalige Deutsche Bundespräsident und Bürgerrechtler aus Rostock, hat von der Sehnsucht nach der "Freiheit von" während der DDR-Diktatur gesprochen. Nach der Deutschen Wiedervereinigung haben die Bürgerrechtler erkannt, dass es der "Freiheit für" bedarf, d.h. dass wir nicht nur frei sind von den Zwängen einer Diktatur, sondern dass mit der Freiheit die Verantwortung für das Land und die Gesellschaft kommt. Beobachte ich die Entwicklungen in Europa, insbesondere in Österreich, erlebe ich die zunehmende Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber der Demokratie, die Verwahrlosung der Sprache gegenüber anderen Menschen, den Verlust an Menschlichkeit in Politik und Gesellschaft,.... Ich will Verantwortung übernehmen, damit die Menschen den Wert von Demokratie, den staatlichen Institutionen und der Rechtsstaatlichkeit wieder erleben und will mich für eine nachhaltige Politik einsetzen.



Lebenslauf

Alles beginnt in der Kindheit. Geprägt durch unsere Eltern stapfen wir durch unser Leben, entwickeln Vorlieben, bewerten unser Umfeld und übernehmen Verantwortung oder eben auch nicht. Ja, und dann gibt es auch noch genetische Aspekte, die einen Einfluss auf unseren Werdegang haben. Ich bin Halbchinese, oder andersrum Halbösterreicher. Man sieht es mir auch an, dass ich ostasiatische Wurzeln habe. Ich glaube, die Frage, wohin ich gehöre, begleitet mich seit frühester Kindheit, zumindest seit dem Zeitpunkt, als ich feststellte, anders als andere Kinder zu sein. Ich fühlte mich als Österreicher und musste feststellen, dass dies für alle anderen Menschen nicht ganz so augenscheinlich ist. Ich erlebte, dass es für meinen Vater nicht selbstverständlich war, dass wir als kleine Individualisten auch wichtig sein wollten, während dies für die Väter meiner Mitschüler etwas ganz Normales war. Erst viel später verstand ich, dass dies, auch wenn meine chinesische Familie schon seit vielen Generationen katholisch ist, für Menschen aus China mit einer konfuzianistischen Prägung eigentlich ein Unding ist.

Ich wuchs mit meinen beiden Brüdern also in einer interkulturellen, katholischen, liebevollen, gesellschaftspolitisch interessierten und sozial engagierten Familie auf. Die gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch sind bis heute in unserer Familie wichtig. Es gab immer frisch gekochtes Essen von Kässpätzle über italienische Pasta und französische Soufflés bis zu Schweinefleisch süß-sauer und chinesischen Teigtaschen mit Fleischfüllung. Aber der Tisch war auch das Forum der Diskussionen über Fragen der Religion, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik. Natürlich haben wir Kinder auch über unsere Erlebnisse in der Schule, im Wald oder bei Freunden erzählt. An unserem Tisch und unter dem Dach des Hauses meiner Eltern fanden auch immer Verwandte, Freunde und Studenten aus Afrika, Asien und Lateinamerika Platz. Es war weltoffen und dennoch war das Fundament dieser Weltoffenheit der tiefe christliche Glaube meiner Eltern. Meine Mutter war, bis ich auf die Welt kam, – wie es früher hieß – als Fürsorgerin tätig und mein Vater als Diplomingenieur in der Textilindustrie und später als Chemielehrer in der Textilschule Dornbirn. Meine Mutter engagierte sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe (sie verwaltete das Europadorf Hörbranz) und baute die Familienhelferinnen-Organisation der Arbeiterkammer Vorarlberg auf. Gemeinsam mit meinem Vater engagierten sie sich auch im 3. Welt-Arbeitskreis unserer Pfarre in Bregenz.

Ich war bereits in der Volksschule ein schlechter Schüler und blieb dies bis zu meiner Matura im Jahr 1989. Es scheint mir heute, als ob ich irgendwie nicht richtig in unser Schulsystem gepasst hätte. Die Schule war für mich mit viel Frustration und Leid verbunden und mit eisernem Willen und der liebevollen und manchmal auch gestrengen Unterstützung meiner Eltern habe ich es geschafft. In meiner Freizeit konnte ich in der katholischen Jugend und der marianischen Kongregation meine Stärken ausleben und in die Gemeinschaft einbringen. Kreativität, Diskussionsfreudigkeit, gesellschaftspolitisches Interesse und eine für mein Alter nicht schlechte Eloquenz führten mich bereits mit 15 Jahren in den Landesjugendbeirat, in dem ich engagiert die Interessen meiner Jugendgruppe vertrat. Außerdem interessierte ich mich für Philosophie und kämpfte mich durch „Das Kapital“ von Karl Marx. Ich war links und katholisch, denn ich meinte, das Leid der Menschen in der 3. Welt emphatisch zu empfinden und machte uns Europäer für dieses Leid verantwortlich. Damals wollte ich nicht begreifen, dass es deutlich komplizierter ist. In meiner Wirklichkeit war glasklar, wer Opfer ist und wer Täter.

Die Befreiung kam mit dem Beginn meines Studiums. Keiner sagte einem, was man zu tun oder zu lassen habe. Es ging um Verständnis und nicht darum, auswendig Gelerntes zu reproduzieren. Sicherlich, auch hier in der großen Stadt Wien an der Hauptuniversität mit damals fast 90.000 Studierenden war der Anfang nicht ganz leicht, aber es tat sich gleichzeitig eine unheimlich begeisternde und inspirierende neue Welt auf. Ich studierte katholische Fachtheologie. Die Leute in der Fachschaft waren nett und echt hilfsbereit. Dazu gab es Tutoren, die uns jungen Studenten den Einstieg enorm erleichterten. Schon nach einem oder zwei Semestern engagierte auch ich mich in der Fachschaft, machte Studentenberatung und nach der ersten Hochschülerschaftswahl in der Studienkommission mit. Gleichzeitig vergrub ich mich voll Neugierde in mein Studium. Ich diskutierte mit Kommilitonen auf der Uni, in Kaffeehäusern und in Seminaren und abends in verrauchten Beiseln. Es war eine schöne und inspirierende Zeit zwischen Studium und Arbeit in Gremien und in der Beratung von Studenten. Im zweiten Studienabschnitt wurde ich als einziger Mandatar der Fachschaftsliste in den Hauptausschuss der Universität Wien gewählt. Oft hatte ich leider den Eindruck, dass es meinen Mitbewerbern in der studentischen Politik eher um das Politisieren und den politischen Machtkampf als um das Wohl der Studierenden ging. Dies führte dazu, dass ich bereits nach zwei Jahren aus dem Hauptausschuss ausstieg und mein Mandat an einen Kollegen weitergab.

In meinem letzten Studienjahr arbeitete ich bereits als Assistent am Institut für Dogmatische Theologie und Dogmengeschichte. Mein Professor war ein hegelianisch geprägter, theologischer Freidenker. Beim Erarbeiten der Texte von Hegel habe ich denken gelernt. Stringent, ohne argumentativ in Nebenschauplätze abzuweichen Gedanken weiter zu denken, hilft mir bis heute bei der Analyse von Problemen und dem Durchdenken von Konzepten. Ein Schritt begründet den nächsten. Bald wurde mir jedoch die Universität zu starr, und so begann ich auf der Suche nach einer beruflichen Heimat neben der Theologie berufsbegleitend eine Ausbildung zum Organisations- und Personalentwickler. Wieder eröffnete sich eine für mich vollkommen neue Welt. In der Ausbildung kam ich mit Menschen aus der Wirtschaft und Sozialorganisationen zusammen. Der Mensch im Mittelpunkt der Wirtschaft faszinierte mich. Wie konnte man bessere Bedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schaffen, damit sie besser und effizienter die Umsetzung der Unternehmensziele unterstützten?

Es begann eine lange Phase meines beruflichen Lebens als Berater. Den Einstieg in diese Welt fand ich bei Daimler in der Zentrale in Stuttgart. Es ist die Zeit des Sharehoder Values, der Scorecards und des Managements by Objectives. Tatkräftig unterstützte auch ich dabei, im Sinne der Konzernstrategie den Unternehmenswert zu steigern, damit der Stuttgarter Autobauer und Rüstungskonzern nicht durch andere Unternehmen geschluckt werden könne. Es erschien schlüssig, und als Daimler und Chrysler fusionierten, glaubte ich das Mantra des Mergers of Equal. Erst später zeigte sich mir, dass es keine Vereinigung gleich starker Unternehmen war und dass die Menschen mehr in den Hintergrund und der Unternehmenswert bzw. der Return on Capital Employed in den Vordergrund rückte. Die Gier führte dazu, dass immer schneller und zu geringeren Kosten entwickelt werden musste. Eine Kultur der Angst und des Opportunismus machte sich zunehmend breit, bis eines Tages bei einem Elchtest die neue A-Klasse umkippte. Aus meiner vormaligen Begeisterung für die Logik der stringenten Zielverfolgung - gemessen an einem Bündel von Kennzahlen - entstand der Zweifel an dem System und die Frage nach dem richtigen Maß unternehmerischen Handels. Wie konnte dies besser überprüft werden, als durch die Gründung eines eigenen Unternehmens gemeinsam mit drei Partnern? Es entstand ein kleines Beratungsunternehmen. Ein Büro im Gemeindebau wurde in Wien bezogen und mit Enthusiasmus warfen wir uns in die Entwicklung einer Strategie, die Definition von Produkten und die Abbildung von Prozessen. Schritt für Schritt bauten wir uns ein Netzwerk auf. Selbst für alles verantwortlich zu sein und frei entscheiden zu können, motivierte uns ohne Ende.

Kurz bevor unser Unternehmen zu beachtlichem wirtschaftlichem Erfolg abhob, verkaufte ich meine Anteile an meine Partner und zog in die Schweiz. Meine Frau und ich bekamen Anfang 2003 unsere Tochter. Grund genug, aus zwei Wohnorten (ich in Wien und meine Frau in Bern) ein gemeinsames Nest zu bauen. Ich wollte miterleben, wie unsere Tochter größer wird und sich entwickelt, und da meine Frau an ihrer wissenschaftlichen Karriere arbeitete und somit ortsgebunden war, baute ich meine Zelte in Wien ab. Ich trat Anfang 2004 meine Stelle bei einem Familienunternehmen in Basel an. Über einen Partner dieses Beratungsunternehmens, mit dem ich schon viele Jahre befreundet war und mit dem ich im österreichischen LKW-Maut-Projekt zusammengearbeitet hatte, bekam ich meine neue Stelle als Berater. Seit dieser Zeit arbeite ich im Verkehrsbereich. Ich habe in Projekten in ganz Europa, in Afrika und in Lateinamerika als Experte und als Projektleiter gearbeitet und mit Mitarbeitern zu den verschiedensten Themen im Bereich der Verkehrstelematik geforscht. Eines hat sich mir jedoch immer wieder gezeigt, dass es die Menschen sind und das Miteinander, die den Erfolg ermöglichen. Nicht die Technologie löst die Probleme, sondern kluge Köpfe, die sich für etwas einsetzen, auch wenn es Gegenwind gibt, und die verstehen, dass sie alleine nichts erreichen, sondern immer abhängig von der Kompetenz und dem Engagement anderer sind.

Wir als Familie sind noch einige Male umgezogen. Es gab Zeiten, in denen ich viel Zeit mit meiner Frau und unserer Tochter verbrachte und es gab Zeiten, in denen ich kaum zuhause war. Meine Frau machte Karriere und auch mir gelang es, beruflich erfolgreich zu sein. Unsere Tochter wuchs heran und die Zeit, die wir miteinander verbringen, ist immer geprägt von intensiven Gesprächen und gutem frisch gekochtem Essen am Tisch. Sich gegenseitig zu vertrauen, an die Fähigkeiten des anderen zu glauben, täglich gezeigte Wertschätzung, zu streiten, wenn es mal nicht anders geht, aber auch um Verzeihung zu bitten, sind die Grundlage unseres familiären Miteinanders.

Als Jugendlicher habe ich mich immer gefragt, woran ich erkenne, dass sich eine Gesellschaft in die falsche Richtung entwickelt, wie in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg. Ich stelle mir heute meine Enkel vor, die mich kritisch fragen: „Opa, was hast Du getan, um die Katastrophe zu verhindern“, so, wie wir unsere Großelterngeneration gefragt haben. Ich bin überzeugt, dass wir noch die Möglichkeit haben, das Ruder herum zu reißen, denn ich glaube an den guten Willen der Menschen. Doch es muss jetzt eine neue politische Kultur etabliert werden, die den Menschen wieder den Glauben an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen ermöglicht.